DFF – Treffen April 2013 Stifte fast ohne Zukaufteile

Mitten im gefühlten Endloswinter – also so am 04. April – traf sich die Drechslergemeinde zu ihrem Treffen
nach Ostern beim Ernst in der Werkstatt.

Stift
Hier der Grund unseres Treffens

Die stattliche Anzahl von 39 Teilnehmern hatte sich in den Räumlichkeiten eingefunden, um der Vorführung von Matthias, zum angekündigten Thema, „einfache Stifte“ beizuwohnen.


Vorneweg wieder unser Präsentationtisch mit den Werken frisch von der Maschine.


Es war wieder ein breites Spektrum verschiedenster Arbeiten ausgestellt.


Matthias – unser Vorführer für heute – hatte sich unters Publikum gemischt um schon mal die allgemeine Stimmung zu erkunden und der langsam aufkommenden Nervosität den frühzeitigen Garaus zu machen.
„Na und wo habt ihr zu Ostern euere Eier versteckt ?“ Es ist und bleibt ein gut „gelüftetes“ Geheimnis das die in der Fränkischen Schweiz alle am Brunnen hängen.


Aber erstmal überraschende Neuerung am Reitstock – Bedienungsanleitung in völlig unverständlichen Schriftzeichen.
Wos soll´n des etzatla scha wieder ? Macht nix – was der Franke nicht kennt wird einfach ignoriert.


Modern Art am Flip Chart ? Rätselraten der gehobenen Art.


Einsam und verlassen steht sie da, die Drechselmaschine, und weiß nicht so recht – allmächt nä wos soll i denn da .


Ihr gegenüber wie es sich gehört Artig, Brav und Sittsam die Zuschauer.
Frauen dieser Welt – schaut euch diese Burschen an.


Hier gings schnell noch um den Knopf den die Hose wohl nicht halten wollte.
Das neueste Projekt von Thomas – alte Gebrauchsgegenstände neu belebt.


Na endlich – Ernst mit Glocke und häuslicher Verstärkung – Ulli durfte praktisch als Weltneuheit mit
einigen, der Situation angemessenen, Worten die Versammlung eröffnen.
Nähere Details fallen hier unter das Datenschutzgeheimnis allgemeiner, quasi halböffentlicher, Zusammenrottungen.


Matthias sofort voll konzentriert. So eine Bleistiftmine muß man fühlen – zwischen den Fingerspitzen spüren –
das Thema muss wohl mit viel Gefühl angegangen werden.


Also das ist nun das einzige Kaufteil das man für die Stifte braucht.
Ein Bleistiftmine (hier Durchmesser 2,1mm) – schließlich soll man ja später auf dem Papier auch was sehen.


Noch überwiegt offenbar die Skepsis – nur eine kleine Mine als Kaufteil und sonst nichts.


Das dürfte heute eine etwas schwierigere Aufgabe sein hier Überzeugungsarbeit zu leisten.


Aber Matthias hatte sich gut vorbereitet und erklärte erstmal einige theorische Grundlagen.
Der Charme des späten Mittelalters (kenn ich praktisch noch aus meinen frühen Jugendtagen) prägt diese Sorte Stifte.
Wer hatte früher schon eine „Gentelman Klick Klack Automatik mit verdrehbarer und ausschiebbarer Mine“ .
Sind wir ehrlich – praktisch keiner – also nahm man das was die Natur so geboten hat.
Holz und Mine und jede Menge gute Ideen wie man das zu einem Top Stift verbindet.


Hm – beschrieben hat er es ja ganz schön – aber nun laßt Taten folgen.


Also auf geht´s den Haupschalter auf „An“ – Geschwindigkeitsregler hochgedreht – Drechselröhre
in die Hand und JAAAAA wir produzieren Späne. Gut – o.K. große Berge waren es gerade nicht –
der Rohling brauchte nicht viel Federn zu lassen bis er rund war.


Apropo Rund.
Hier zeigt uns Matthias wie man schnell und gefahrlos prüft ob der Rohling bereits rund ist.
Röhre drauflegen – wenn Ratter Ratter – Teil noch unrund – wenn gleichmäßiger Ton – Teil rund.
Leider leider sieht man sehr oft auch bei vielen „Profis“ in Lehrfilmen die Finger auf dem
rotierend Werkstück zum prüfen. So ein kleiner Holzspan kann sich durch das rotierende Werkstück
schnell sehr tief unter die Haut graben. Aua Aua


Der Werkstattchef Ernst geht hier Matthias zur Hand um kleinere Tüken der Reitsockspitze zu bewältigen.
Gewußt wie und scho passt´s.


Und weiter gehts. Vierbackenfutter mit langen Backen.


Sicher, fest und mit sauberen Rundlauf so präsentiert sich der Stiftrohling nun dem Bohrer.
Beachte – Blaues Klebeband markiert die Tiefe der Bohrung für die Mine.


Also nochmal kurz zur Theorie. In der Mitte – wo auch sonst – die Mine.
Ganz aussen die Stifthülle und dazwischen ein kleines aber sehr feines Klemmteil das die Mine mittels
Keilwirkung (selbsthemmender Winkel von 2,26 Grad) fixiert.


Zurück zur Maschine. Kleinen Zapfen andrehen – Exakter Durchmesser wird mittels Spezialprüfmittel kontrolliert.


Nacharbeiten und kleinen Ringeldingens andrehen – a bisserl nach was solls ja später auch aussehen.


Also verraten wir mal so viel – das wird jetzt das Klemmteil.
Das schwierigste bei den letzten beiden Bildern war hier die gekonnte Fotografie, um alles anzudeuten,
aber letztlich und endlich doch noch einiges an Unschärfe in den Bildern zu haben, um genügend Raum
für eigene Interpretationen des Betrachters zuzulassen.


Schwer zu erkennen – hier leistet eine Japansäge sehr hilfreiche Dienste für einen kurzen sauberen Schnitt.


So weiter gehts mit der Stifthülle. Bohrung 7 mm schafft Platz im Inneren des Stiftes.
Die Tiefe richtet sich natürlich nach der maximalen Minenlänge.


Kleine Notiz am Rande. Ernst hat seine Spindel mittels Hochpräzisionsrißlinien im exakten Abstand
von 10.000 µm + – 5µm eingraviert um eine einigermaßen akzeptable Skala für Bohrungen zu erhalten.


Eigentlich hätten wir hier theoretisch fast aufhören können – Stift funktionierte nach dem Zusammenbau
der 3 Einzelteile, aber bekannterweise isst das Auge ja auch mit – also noch etwas Form für unser
ästetischen Empfinden muss schon noch sein.


Spezialspundfutter zum erneuten Aufspannen der Stifthülse im Loch – sollte der Durchmesser des Zapfens
nicht exakt zum Loch passen wird die Arbeit nicht gelingen. Meiselarbeiten nach Rechts und


Meiselarbeiten nach Links – eine saubere Oberfläche wird der Dank an den Könner des Meisels sein.
Die berühmten Alptraummaße des Drechslers 40 – 60 – 80 bei der Körnung des Schleifpapiers
bleibt uns dann erspart.


Noch einge Ringeldingel vorne und hinten am Stift


braucht es einfach für das Aussehen. Hier kann der ambitionierte Drechsler seinen inneren Trieben
einiges an freien Lauf lassen. Trotz allem das Mittelteil im Griffbereich bleibt Tabu.


Leichtes Endfinisch


Einölen mit Walnußöl.


Und so strahlt ein glücklicher und zufriedener Vorführer mit gelungenem Werk.


Prüfender Blick in die Runde


Tatsächlich ein Stift. Schau schau und wenn man weiß wie – einfach aber genial.


Freude beim neuen Besitzer. Gegen einen verkraftbaren Obolus in die Kasse wechselte der Stift seinen Eigentümer


Superzeit die ich da hingelegt habe – Planziel erreicht oder ??


So schauen noch einige Varianten dieser Serie aus.


Ob hier Ernst schon die Werkzeuge bereitgelegt hat für mißlungene Vorführungen (Altertümlich und Benutzt
sieht es ja aus ) – nun ja ich hab lieber mal nicht nachgefragt – an diesem Abend kam es auf jeden Fall
nicht zum Einsatz.


Anschließend hielt Gerhard noch ein kurzes Referat über Schaber.


Details sind im internen Teil für die Drechselfreunde Franken in einem seperaten Beitrag nachlesbar.
Ein eigener Workshop zum Thema wird noch folgen.

Gruß
Helmut

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