Heute zeigt uns Hermann seine „Zauberfräse“. Es handelt sich um eine handgeführte CNC-Fräse namens Shaper Origin. Diese clevere Maschine erkennt ein spezielles Punktemuster auf einer ebenen Fläche und folgt dann der vorgegebenen Kontur. Fast so, als hätte sie Augen im Fräserkopf, nur den Zauberstab muss Hermann noch selbst schwingen!

Hoher Besuch bei den Drechselfreunden, die Engelin von Ernst hatte heute die ehrenvolle Aufgabe, mit der Glocke feierlich den Beginn der Vorführung einzuleiten.

Hermann hat uns ein paar seiner Werke mitgebracht und gezeigt, was mit seiner Fräse alles möglich ist. Da staunten sogar die alten Hasen!

Ein Highlight war Hermanns Stiftprojekt: Die filigranen Intarsien hat er mit einem winzigen Fräser von nur 0,8 mm Durchmesser herausgearbeitet, sowohl die Vertiefungen als auch die passenden Einlegeteile wurden präzise separat gefräst.
Danach wurde der Plank zum Stift gedrechselt. Selbst Texte oder Namen lassen sich so eindrucksvoll einarbeiten, ein Unikat mit persönlicher Note!

Auf dem Werktisch lagen eine sechseckige Dose mit einem eingearbeiteten Schmetterling als Intarsie und ein sechseckiges Windlicht.
Zwei richtich schäine Hingugger mit Eckla und Kaddn.

Hier noch weitere Intarsien. Beim rechten Werkstück wurde wieder der kleinste Fräser mit Ø 0,8 mm eingesetzt.

Aufmerksam wurde die Vorführung verfolgt. Selbst die Schüler auf der letzten Bank haben diesmal nicht geschwätzt!



Helmut hat das fleißige Mitschreiben nicht mitbekommen. Sonst hätte er den Drechselfreund zum offiziellen Berichteschreiber ernannt, so fix, wie der alles notiert hat!

Als Erstes scannt Hermann mit der integrierte Kamera das Punktemuster,quasi die Domino-Steine ein, damit sich die Fräse bzw. die Software auf der XY-Ebene zurechtzufindet.

Das Werkstück wird auf der Grundplatte mit doppelseitigem Klebeband positioniert. Die Höhe ist über eine Stützleiste, die nicht auf dem Bild zu sehen ist referenziert. Zwischen Werkstück und Tisch ist die Opferleiste zu erkennen.
Nachdem der Fräser in die Spindel eingespannt ist, wird dieser auf der Oberfläche des Werkstückes mit einer Funktion auf Z-Null angefahren.

Die Fräskontur ist gewählt. Der Durchmesser des Fräsers, die Tiefe und ob sich es um eine Innen- oder Aussenkontur handelt, eingestellt. Als erstes wird der innere Bereich ausgefräst. Die blaue Spur zeigt die soeben gefräste Kontur an. Die dünne Linie gibt die Fräsgeometrie bzw. Fertigkontur an.

Zur Fertigkontur bleibt ein 2 mm Abstand für das Schlichten der Fertigkontur. Die Software kann den Fräser im Bereich von 12 mm, ± 6 mm (weißer Kreis) zur Fräskontur verfahren. So werden der ungleichmäßige “Handvorschub” ausgeglichen. Wenn eine Korrektur nicht mehr möglich ist, zieht die Maschine den Fräser in einem Sekundenbruchteil nach oben. So wird die Beschädigung der Fertigkontur vermieden.

Das Vorschruppen der Innenkontur ist fast vollbracht. Dunkelblau stellt die gefräste Kontur dar. Es wird ein Ø10 mm Wendeplattenfräser verwendet. Die Hellblaue Fläche muss noch abgefräst werden. Die dünne Blaue Linie ist die Fertigkontur. Der Bereich zwischen dünner Blauer Linie und Hell- oder Dunkelblauer Fläche ist der Offset von 2 mm für das Schichten der Wandkontur.

Die vollständig Tiefe der Kontur wird in mehreren Stufen gefräst. Durch die Software Option Autopass erfolgt eine Rampenförmige Zustellung in die Tiefe. Dieses Vorgehen schont den Fräser.

Der Farbunterschied zeigt die Frästiefen an. Desto tiefer die Fräskontur, desto dunkler. Der hellere Blaue Anteil muss noch gefräst werden.

Die Innenkontur ist vorgefräst.

Die Innenkontur wird geschlichtet. Die weiße gepunktete Linie verläuft, auf der Mitte des Fräsers, dabei wird die Fräsrichtung angezeigt. Bei einem Fräser von 6 mm liegt diese 3mm, plus den Offset von der Fertigkontur entfernt. Es wird immer in Gegenlauf gefräst. Der Zyan färbenden Kreis gibt den Korrekturbereich der Maschine an. In diesem Kreis muss das Weiße Kreutz (Mittelpunkt Fräser) von Hand geführt werden. Innerhalb von 12 mm gleicht der Verfahrweg die Maschine die Abweichung durch die Führung von Hand aus. Kommt man der Fertigkontur zu nahe, wird der Fräser nach oben gezogen.

Als nächster Schritt wird die Außenkontur gefräst. Diese kann auf zwei Arten gefräst werden. Entweder wird ein separates Programm für die Kontur erstellt oder die Kontur wird mit einem Offset zur Innenkontur gefräst. In diesem Fall liegt eine programmierte Außenkontur vor. Im Bild ist der Fräser Ø6 mm zu sehen.

Die Software gibt Fräsrichtung und den eingestellten Vorschub vor. Die Fräsrichtung ist immer Gegenlauf. Das Weiße Kreuz stellt die Mitte des Fräsers dar. Der Cyan farbige Kreis ist so gut wie möglich, auf der Weiß gestichelten Kontur zu führen.

Letzter Schlichtspann der Außenkontur. Wenn der weiße Kreis auf die gestrichelte weiße Mittelline trifft kann die Maschine den händischen Vorschub nicht mehr korrigieren. Die Korrektur kann nur im Bereich ± 6 mm erfolgen. Sollte das der Fall sein, wir der Fräser nach oben gezogen, um eine Beschäftigung der Fertigkontur zu vermeiden.

Die Außenkontur ist fertig gefräst. Bei der Innenkontur wird der letzte Schlichtspann gefräst. Jede Kontur kann nachträglich wieder angewählt und abgefahren werden. Es ist zum Beispiel möglich, die Maschine nach dem Ausschalten, auf die Seite zu stellen um eine Passung zu prüfen. Danach wird der nötige Offset eingestellt. Danach wird die Maschine über der vorhergehenden Kontur positioniert, gestartet und ein neuer Spann entfernt.

Das Unterteil der ovalen Dose ist bis auf den Rand, für den Deckel fertig. Dieser wird im nächsten Arbeitsgang eingefräst.

Das fertige Unterteil der Dose ist nun Klebeband abgelöst.

Stolz präsentiert Hermann sein Werkstück! Wir bedanken uns herzlich für die gelungene und spannende Vorführung. Trotz zahlreicher Zwischenfragen blieb Hermann ganz ruhig und souverän. Nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen, der Mann hat einfach die Ruhe weg und den Fräser im Griff!

Jürgen K. hat sich mit dem Laser Vorlagen für das Drechseln von seiner eigenen Silhouette erstellt. Von dem Ergebnis lassen wir uns überraschen.
Ich wünsche euch eine gute Zeit bei eueren Projekten in eurer Werkstatt. Bis nächste Woche zum Online Treff.


Danke Hermann für Deine Vorführung. Das war mal etwas sehr Interessantes, was wir wohl alle noch nicht gesehen haben.
Eigentlich hatte ich vorgehabt, aus dem Mitschnitt ein Video zu machen, da ist aber leider von Zuhörern soviel dazwischen geredet worden, daß man davon nicht wirklich einen Film machen kann, der einem das Ganze Thema näher bringt.
Nebenbei gesagt, erleichtert es dem Vorführenden, der sich mit der Vorbereitung viel Arbeit gemacht hat, auch nicht sein Geschäft.
Da müssen wir, auch wenn wir mit fast 20 Jahren schon gut volljährig sind, noch ein bischen üben.
Nochmals vielen Dank an Hermann,
Gruß Thomas
Danke Hermann für deine exzellente Vorführung. Ich war der auf dem Bild zu sehende “Mitschreiber”. Allerdings schreibe ich nicht sondern fertige eine Mischung aus Stichworten und einer Skizze.
Hallo zusammen
Ein ganz großes Dankeschön von mir an dich Hermann für deine Präsentation der Oberfräse. Trotz der sehr umfangreichen Möglichkeiten hast du die Kernelemente herausgearbeitet. Klasse gemacht !!
Und auch an dich Erich einen großen Dank das du diesen fundierten Bericht verfasst hast. Ich denke damit kann sich jeder ein erstes Bild machen was möglich ist. Mehr Details finden sich sicher auf der Homepage der Firma.
Ein ingesamt hochinteresanter Abend der den berühmten Blick über den Tellerrand für uns Holzhandwerker ermöglicht hat.
Insgesamt Danke dafür.
Gruß Helmut