
Von Goldregen, Goldfinger und hölzernen Absaugflügeln
Auch bei unserem heutigen Onlinetreffen zeigte sich wieder: Beim Drechseln gibt es eigentlich nichts, worüber man nicht reden könnte. Holz natürlich. Werkzeuge sowieso. Feuer, Gold, Absaugungen, Weihnachtsengel – und inzwischen gehört auch ChatGPT ganz selbstverständlich dazu.
Neues von unserer Webseite
Den Anfang machte Thomas mit einem kleinen Ausflug in die digitale Werkstatt. Auf unserer Webseite hat sich nämlich einiges getan. Unter anderem gibt es inzwischen einen verbesserten Spamfilter für Kommentare und eine neue Möglichkeit, sich zu unseren Treffen anzumelden.
Beiträge und Objekte lassen sich nun mit Schlagwörtern versehen. Daraus entstehen automatisch passende Kategorien und Galerien – die Webseite sortiert also gewissermaßen selbst ein wenig mit.
Bei der Programmierung dieser neuen Funktionen hatte Thomas tatkräftige Unterstützung von ChatGPT. Und wie das bei neuen Werkzeugen so ist: Kaum funktioniert etwas, fallen einem schon die nächsten Dinge ein, die man damit noch machen könnte. Der weitere Ausbau ist also bereits in Sicht.
Ganz analog ging es anschließend beim Thema Holz weiter. Ein Angebot von Goldregenholz aus Altdorf fand mit Ernst offenbar auch gleich einen Interessenten. Schließlich soll gutes Holz nicht unnötig herumliegen – jedenfalls nicht bei jemand anderem.






Walter spannt ein – und baut seine Absaugung um
WalterF zeigte zunächst seine Modifikation eines Spanngerätes zum Verleimen von Holzsegmenten. Bekanntlich führen beim Segmentieren viele Wege zum Ziel – vorausgesetzt, am Ende sitzt alles dort, wo es hingehört.


Danach ging es an die Absaugung. Dort hatten sich die Kunststoffflügel verabschiedet. Für einen Drechsler ist das natürlich kein Grund, gleich ein neues Gerät zu kaufen. Wenn Kunststoff nicht hält, nimmt man eben Holz.
WalterF fertigte kurzerhand neue Flügel aus Holz an und brachte die Absaugung damit wieder in Schwung. Ob die Konstrukteure des Originals diese Reparaturmethode vorgesehen hatten, ist nicht überliefert.


Helmut: vom Zwiesel zur Linse
Helmut zeigte zunächst ein etwa 15 Zentimeter großes Dekorationsobjekt, das aus einem Holzzwiesel entstanden ist. Wieder einmal ein schönes Beispiel dafür, dass gerade ungewöhnliche Holzformen zu ungewöhnlichen Ideen führen können.
Anschließend präsentierte er eine Linsenvase mit eingesetztem Reagenzglas – eine elegante Verbindung von gedrechseltem Holz und einem ebenso einfachen wie praktischen Glaseinsatz.



Djamil: Ginkgo, Farbe, Tannin und Feuer
Bei Djamil wurde es anschließend ausgesprochen experimentierfreudig. Den Anfang machte eine Ahorndose mit eingelassener Vergoldung in Form von Ginkgoblättern. Dabei konnten wir nicht nur das fertige Stück sehen, sondern auch verschiedene Stationen auf dem Weg dorthin.



Weiter ging es mit mehreren Fichtenvasen, deren Oberfläche mit Chestnut-Farbe gestaltet wurde. Farbe und Holzstruktur ergänzen sich dabei zu einer Oberfläche, bei der das Drechseln eigentlich nur der Anfang der Gestaltung ist.



Und weil Farbe, Gold und Chemie noch nicht genug waren, kam schließlich auch Feuer ins Spiel. Verschiedene Versuche zeigten, welche Spuren sich durch kontrolliertes Brennen auf unterschiedlichen Hölzern erzielen lassen.


Ein weiteres Experiment startete Djamil mit einem Bergahorn-Ast. Dabei verwendete er eine Kugeldrehvorrichtung von Herrn Kellerhals. Auch hier war der Weg mindestens so interessant wie das Ergebnis – schließlich steckt der Reiz solcher Versuche gerade darin herauszufinden, was ein ungewöhnliches Stück Holz und die passende Vorrichtung miteinander anfangen können.
Bei einer Robinienvase kam unter anderem ein Wiedemannhaken zum Einsatz. Das Holz wurde außerdem mit Tannin behandelt, um anschließend die gewünschte Ebonisierung zu erreichen. Aus hellem Holz wird so durch gezielte Oberflächenbehandlung ein Stück mit vollkommen anderem Charakter.





Gerhard: Linsen mit Goldrand
Auch GerhardR hatte sich mit Linsenvasen beschäftigt. Dabei kamen unter anderem Eiche und Lärche zum Einsatz. Für die Oberflächengestaltung experimentierte er mit Essigbeize und setzte mit Goldfingerpaste zusätzliche Akzente.
So entwickelte sich eine angeregte Diskussion über Formen, Holzarten und Oberflächen – und darüber, wie bereits kleine gestalterische Details den Charakter eines Stückes deutlich verändern können.
Weihnachten kommt bestimmt
Gerhard Winter brachte uns anschließend gedanklich schon ein gutes Stück näher an die Adventszeit. Gezeigt wurden verschiedene weihnachtliche Arbeiten, darunter ein Schneemann im Holzrahmen und kleine Bäumchen.




Beim Schneemann wurde ausführlich über jene Details gesprochen, über die man vermutlich nur in einer Runde von Holzbegeisterten so ausführlich sprechen kann: Gesichtsausdruck, Farbauftrag, Materialwahl und die Frage, wie aus ein paar kleinen Veränderungen plötzlich ein ganz anderer Charakter entsteht.
Auch Engel für den Weihnachtsmarkt waren Thema. Gerhard Winter erläuterte seine Überlegungen zur Gestaltung und insbesondere zu den Flügeln. Djamil brachte die Idee ein, diese aus etwas stärkerem Papier mithilfe von Schablonen herzustellen. Weihnachten mag noch ein wenig entfernt sein – in der Drechselwerkstatt kann man bekanntlich trotzdem nie früh genug damit anfangen.
Und sonst?
Kurz angesprochen wurde außerdem eine geplante Ausstellung, zu der es sicherlich zu gegebener Zeit noch Näheres zu berichten gibt.
WolfgangE berichtete von einer Jenisch-Veranstaltung in Schillingsfürst und sorgte schließlich für einen ausgesprochen literarischen Abschluss unseres Treffens: mit einem Gedicht von Joachim Ringelnatz.
Damit endete ein Abend, an dem wir von Spamfiltern über Goldregenholz, Spanngeräte und hölzerne Absaugflügel bis zu Ginkgogold, Feuerexperimenten und Weihnachtsengeln gekommen waren.
Eigentlich eine ziemlich weite Strecke – ohne dass auch nur einer dafür seine Werkstatt verlassen musste.
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Segmentdose mit Segelbootmuster
Ein Beitrag von WalterF über die Herstellung einer Segmentdose



