DFF – Treffen November 2015, Gewinde strehlen


Zu unserem Novembertreffen der Drechselfreunde Franken hatte sich Manfred bereit erklärt uns in den Topf mit den  kleinen und großen Geheimnisse  der Gewindeherstellung einen ersten Blick werfen zu lassen. Gewindefräsen, als Diszipin für diejenigen die an der berühmten Skiabfahrt der Streif in Kitzbühl lieber den Sessellift zur Fahrt ins Tal nehmen, und natürlich das Gewindestehlen frei Hand für die Wagemutigen und für angehende Könner unter uns die sich lieber mit den Abfahrtsbrettern den Hang hinabstürzen. O.K.  gleich vorneweg – so heftig wurde es dann doch nicht.


Manfred mit einer Auswahl von Werken mit Gewinde die bereits im Vorfeld begutachtet wurden.


Helmut mit dem „Losungstext“ für den Donnerstag  aus der „Bibel der Drechsler“ (Spannagel) zum Thema Gewinde.


Und ein gesunder Humor gehört auf jeden Fall dazu.


Grundlegende Unterschiede in Längs- und Querholz


Bestens demonstriert mit einem Musterholz warum dünnes Holz in längsrichtung sehr schnell bricht,


und dementsprechend in Querholz wesentlich haltbarer ist. Praktische Vorführbeispiele helfen für ein Ruck-Zuck Verständniss doch ungemein.


Das nächste Blatt auf dem Flip-Chart zeigt Manfred´s eigene Erfahrungen beim Gewindestrehlen mit diversen Hölzern.


Die Erklärung wie das Gewindefräsen funktioniert. Detailgenau gezeichnet und beschrieben von Manfred – erstklassige Beschreibung.
Geldbeutel weit öffnen – kaufen – etwas üben und schon hat man Gewinde. Ob dann hinterher die Schraubfunktion der Dose passt ist dann sicher noch ein ganz anderes Thema.


Und so sieht das dann in der Praxis aus. Manfred an der Kurbel,


hin- und herdrehen – passt scha.


Hier staunt das rechte Drittel der Besucher


genauso wie das Linke.


53 Drechselfreunde hatten sich an diesem Abend in Neusles eingefunden um dieses Highlight des Jahres nicht zu verpassen. Ich darf hier sicher im Namen eines jeden Anwesenden vermerken – das hat sich gelohnt.


Und weil es schön war das selbe nochmal mit dem Innengewinde. Aufgemerkt!! Damit alles passt fräsen wir hier dann auf der Gegenüberliegenden Seite. Hat was zu tun mit Gegenlauf und Gleichlauffräsen.


Nächster Punkt – Handstrehlen !!  In welchem Winkel wird der Strehler richtig angesetzt bzw. welche Auswirkungen haben andere Winkel zwischen Holz und Strehler auf das Gewinde.


Etwas schlecht zu erkennen. Drehzahl 373 Umdrehungen pro Minute.


Ein schwertförmig geschiffener Knochen etc. dient erstmal dazu an einem fertigen Gewinde ein erstes sicher noch dünnes Gefühl zu entwickeln wie schnell man mit dem Strehler die seitliche Bewegung ausführen muss damit es nicht nur Rillen gibt sondern irgendwann ein Gewinde ergibt.


Das ganz dann noch mal als Trockenübung mit dem Strehler. Locker leicht in der Hand liegen lassen und dem Gewinde folgen. Mit dieser Übung wären eigentlich schon die ersten 2 – 3 Tage eines Workshops rum.


Und hier sehen wir Manfred bei der Ölung des Holzes. Natürlich könnte man hier ein Spezialgewindestrehlöl Geschacksmustergeschützt und Patentiert durch die Fränkischen Drechselfreunde, eventuell sogar bei Manfred selbst, den Liter für 68,50 Euro (zuzüglich Versand und Transportversicherung) beziehen. Sollte man sich dieses jedoch nicht leisten wollen kann man natürlich auch kaltgepresstes Wallnussöl verwenden.


Was sagt uns nun das nächste Blatt? Drehzahl also nicht zu niedrig wählen. Die Kante verrunden und dort auch ansetzen um dann mit dem gelernten Schwung in mehreren kleinen Schritten in den Umfang einschwenken. Klingt erst mal ganz einfach.


Manfred zeigte es uns sehr eindrucksvoll. Da hat man auf jeden Fall gesehen wo Manfred die letzten Wochen verbracht hat. Und nicht vergessen den Strehler leicht und locker halten. Der kunstvoll gedrechselte Griff dient eigentlich fast nur der Zierde.


Eingeschwenkt auf den zylindrischen Teil und bis zum Ende schön gleichmäßig laufen lassen.


V0r den letzten Durchgängen gegebenenfalls nochmals zwischenölen und


dann zum Schluss Strehler etwas nach unten hängen lassen und das Gewinde (Holz) verdichten.


Nut einstechen und schon fertig – AAAAAAHHHHHHAAAAAA.


Werkzeugschärfen – Manfred erklärte hier das warum und wieso und was die typischen Fehler sind die einen Strehler irgendwann zu nichte machen.


Innengewinde – der selbe Ablauf, das gleiche Procedere. Nur bitte die Nut erst einstechen – meist ist ja hinten im Grund wenig Platz zum beenden des Schneidvorgangs.


Ergebnis – tadellos also passt scha.


Und hier noch einige Zahlen als Faustregel  welche Strehlern für welche Arbeiten am besten geeignet sind.


Und nun noch ein Flip-Chart mit den typischen Fehlern.

  • oberstes Bild – Mehrgängiges Gewinde?? Gibt meist ein Problem wenn man ein eingängiges Gewinde mit einem mehrgängigen Gewinde verschrauben will. Und mal ehrlich bewußt ein mehrgängigiges Gewinde freihand Strehlen – allerhöchsten Respekt wer das drauf hat.
  • mittleres Bild – besoffenes Gewinde entsteht nicht durch 3 halbe fränkischen Bierchen zuviel sondern meist durch sehr harte Ästchen im Holz die den Strehler ablenken. Ergebnis kannste auch vergessen – wird wohl nichts werden mit dem verschrauben.
  • unteres Bild – der Freistich sollte etwas tiefer sein als der Gewindegrund – nur so funktioniert letztendlich die saubere Verschraubung.


Die Lösungen hat uns Manfred theoretisch und praktisch anschaulichst verdeutlicht.


So und wer hat jetzt noch Fragen?  Wenn nein dann denkt dran letztlich und endlich wird nur üben, üben und noch mehr üben helfen.


Viele dieser Dosen dienten Manfred für den Theorieteil

So und jetzt nochmal die einzelnen Blätter groß und scharf zum Nachlesen:

… und hier noch ein paar Bilder von Manfred:

Da war doch schon „anno domini“ mal was in der Drechselzeitschrift veröffentlicht.


Schnell noch ein Trockenlauf – wie klappt das mit dem umblättern.


Ohne Worte


Huch Maschine ohne ihren Herren.


Rechts im Bild sieht man Helmut unseren fleißigen Kameramann den wir es zu verdanken haben das bei dieser große Anzahl an Teilnehern auch die hinterste Reihe über die Leinwand noch was mitbekommt. Hier mal ein ganz großes   D A N K E   dafür.


Meiner einer als einer von Manfred´s Lehrlingen beim „Laufenlassen“ des Strehlers im existierenden Gewinde. O.K. hinterher war es dann kein brauchbares Gewinde mehr.


Das wäre die Haltung des Strehlers beim Verdichten.


Es sei mit erwähnt und gezeigt das man auch ein weiteres Eisen unter den Strehler legen kann womit man die Handauflage dann nicht Quer stellen muss.


Johannes als der zweite Lehrling an diesem Abend.


die Augen rechts – was gibt´s denn da zu sehen ?


Manfred mitten drin.


Manfred hätte sicher noch sehr gewusst – aber wie es halt so ist – die Zeit verging mal wieder viel zu schnell.


So und jetzt fehlt eigentlich eigentlich nur noch der Abspann.

Für diesen Abend dürfen wir uns ganz herzlichst bei Manfred bedanken der sich sehr sehr viel Mühe gemacht hat und viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt das er uns diesen Eindrucksvollen und Informativen Abend ermöglicht hat. Ich denke jeder der schon mal eine Vorführung gemacht hat weiß annähernd welcher Aufwand hinter so einer „Show“ steckt. Die Einblicke und den Startimpuls in diese Technik einzusteigen konnte Manfred bestens vermitteln. Ich bin mir sicher das sich einige – mich eingeschlossen – da mal den Einstieg wagen.

Sehr gut gemacht Manfred – auf solch einen Vorführer in unseren fränkischen Reihen können wir zu recht stolz sein.
Nochmal auch der Dank an Helmut unseren unermütlichen Kameramann ohne den kaum einer was sehen würde.
Auch wollen wir mal wieder unseren Hausherren Ernst (Bene) nicht vergessen der einmal im Monat seine Werkstatt umräumt sauber macht und Platz schafft damit die fränkischen Horden einfallen können können. Danke auch mal wieder dafür.

Und last but not least auch der Dank an alle die sich die Zeit genommen haben – 53 an der Zahl – um diesen Abend bei den Drechselfreunden Franken zu verbringen. Das belebt das Geschehen und zeigt auch dem Vorführer das sich sein Einsatz gelohnt hat (was man übrigens auch am Schlussbeifall gemerkt hat).

DANKE Manfred

Gruß
Helmut

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9 Responses to DFF – Treffen November 2015, Gewinde strehlen

  1. Hermann says:

    Hallo Manfred,

    da hast du eine Menge Arbeit für diesen Workshop investiert, um uns das „Stehlen“ sehr plastisch mit Theorie und vielen praktischen Vorführungen nahe zu bringen. Einfach Klasse und vielen Dank!

    Hermann

  2. Manfred Faltin says:

    Hallo Drechselfreunde,

    ich sehe gerade, dass Helmut noch dabei ist, die Bilder zu beschriften.
    Danke Helmut schon einmal für den Bericht, der doch treffend die wichtigsten Stationen mit entsprechenden Text zeigt.

    Ein Dankeschön auch an Kameramann Helmut B.für die Übertragung auf die Leinwand und für die Lesung aus der Drechslerbibel zum Anfang der knapp 2 stündigen Veranstaltung.

    Ein großes Danke auch an Ernst für das Einläuten mit der Glocke und für seine Unterstützung miit Flip Chart und Werkstatt.

    Und ein Danke auch an die Drechselfreunde, die mir beim Aufräumen und Einladen meiner sieben Sachen geholfen haben
    ( mit den Werkstücken und Dosen waren es doch schon ein paar mehr. )

    Ich bin mir darüber im Klaren, dass es doch noch dazu Fragen und erforderliche Unterstützung gibt. Mehr war eben in Anbetracht der knappen Zeit für dieses Thema nicht möglich.
    Aber ich helfe gerne weiter, wenn der Strehler aufläut und es einmal kracht.
    Denkt daran, die Gewindepassung nicht zu eng zu machen, denn auch Gewindedosen arbeiten – auch noch nach längerer Zeit.

    Es ist einfach schön, ein nettes Schraubdöschen herzustellen, weil es Spaß macht und vielleicht auch ein wenig glücklich und zufrieden, wenn man auf-und zuschraben kann.

    In diesem Sinne – viel Spaß !!

    Gruß
    Manfred

  3. Wolfgang says:

    Hallo Manfred, vielen Dank für die tolle Vorführung! Es war sehr interessant und lehrreich! Hoffentlich lerne ich das auch! Wie Du es gemacht hast – da sah es leicht aus, Deine zwei Lehrlinge waren dann nicht mehr ganz so entspannt! Ich werde das sicher auch mal versuchen! Große Klasse!

  4. Gerhard says:

    Hallo Manfred,
    vielen Dank für diesen excellenten Vortrag. Gerade auch die Abwechslung zwischen Theorie und Praxis in deinem Vortrag hat das Thema sehr gut verdeutlicht und verständnisvoller gemacht.
    Ganz toll gemacht. **Danke**
    Gruß
    Gerhard
    Hoffe es gibt bald wieder einen Vortrag von dir.

  5. Johannes says:

    Hallo,

    der Vortrag war super vorbereitet und bestens ausgeführt.
    Wir können uns glücklich schätzen, dass wir Drechselfreunde Franken solche ausgezeichneten Könner als Vorführer haben.

    Als einer deiner Lehrlinge, der aber schon heimlich geübt hatte kann ich nur sagen, dass für mich sehr wichtig war wie die Werkzeuge richtig angeschliffen werden.
    In diversen Anleitungen steht dass die Spitze abgenommen werden soll.
    Ich habe am Freitag schon die ersten Übungen gemacht und muss sagen es wird immer besser.

    Gruß Johannes

  6. Manfred Faltin says:

    Hallo Johannes,

    Danke für deine Antwort,
    nachdem die im Handel befindlichen Strähler ja nur einen Winkel wie ein Schaber haben, kann ich mir nicht vorstellen, was es bringen soll, wenn man die Spitze abnimmt.
    Die Spitzen sollen ja in die Tiefe schneiden und das Gegenstück für die freien Spitzen sein und für diese Platz frei machen. Bei fetten oder dichten Hölzern wie z. B. Cocobolo und Buchsbaum mag das ganz gut gehen.
    Du brauchst einfach für den ersten und spurbereitenden Schnitt eine scharfe Schneide oder Kante. Alles andere wäre ein Gekratze was zumindest bei Beginn des Gewindes nicht gut wäre.

    Nehme, wie es gute Köche machen, für die ersten guten Gewinde nur beste Zutaten und du wirst sehen, dass es noch besser klappt.

    Schönen Sonntag !

    Gruß
    Manfred

  7. Gerhard Winter says:

    Hallo Manfred
    Da kann ich mich meinen Vorrednern nur anschließen ,
    erstklassige Vorbereitung und Ausführung , es ist eine
    Freude dir zuzuhören mit welcher Begeisterung du bei der Sache bist . Danke
    Gruß Gerhard W.

  8. Ludwig Mündlein says:

    Lieger Manfred,
    leider konnte ich aus gesundheitlichen Gründen an deiner
    interessanten Vorführung bedauerlicherweise nicht teilnehmen.

    Ich habe jedoch den Bildbericht aufmerksam durchgelesen und verfolgt. Ich bin begeistert von der perfekten und nachvoll-ziehbaren Ausarbeitung und Darstellung der Flipcharts , welche alle Aspekte zur Herstellung eines Gewinde anschaulich darstellen. Ich bin sicher , daß diese Vorführung ein voller Erfolg war und dass auch alle Teilnehmer von deinen Erfahrungen und deinen Hinweisen profitiert haben. Diese anschaulichen Flipcharts habe ich mir gleich abgespeichert und ausgedruckt.

    Viele Grüße Ludwig

    • Manfred Faltin says:

      Guten Abend Drechselfreunde,

      DANKE, über die netten Antworten habe ich mich gefreut.

      Zuerst aber nochmal vielen Dank an Helmut, der mit den Texten die Bilder erst lebedig – und somit für Drechsler die sich dafür interssieren, weitgehendst nachvollziehbar gemacht hat.

      Im Nachhinein fällt einem natürlich noch einiges ein, was man gerne noch „rüberbringen“ wollte.

      Zur Holzauswahl und meine Bewertung wäre noch zu sagen, dass z.B. nicht alle Hölzer diese Eigenschaften – positiv wie nagativ – haben müssen. Ein Stück Zwetschgenholz mit weicheren Partien ist eben dann ganz ungeeignet und das andere Stück vom gleichen Baum kann sehr gut gehen.

      Geschwindigkeit:

      Wenn die erste richtige Spur im Strehlerbreite gelegt ist, kann man ruhig die Geschwindigkeit weit zurücknehmen, dass man in Ruhe und kontrolliert arbeiten und sehen kann, was wie und wann passiert.
      Ein neues Messingbürstchen geht sehr gut, das Gewinde bei laufender Maschine sauber auszubürsten.
      Auch kann man den Anfang des Gewindes weich anschleifen und auch die Spitzen etwas abnehmen, vorallem dann, wenn diese nicht ganz „astrein“ sind. Um so schöner und weicher lässt sich das Gewinde verschrauben.

      Auch wenn am Anfang die Gewinde etwas schräg durch den mehrmaligen Abtrag von rechts verlaufen. Nicht so schlimm – das Gegenstück anpassen. Wichtig ist, dass wenigstens der letzte Gang greift und die Dose kann trotzdem fest verschraubt weden.

      Das war es erst zur Ergänzung eimal.

      Gruß
      Manfred