DFF – Treffen März 2010

Hallo zusammen,
man könnte ja meinen, es gab keinen Fränkischen Stammtisch im März.

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Doch. Gab es.
Leider war ich an dem Abend photofaul (fotophaul?). Daher nur wenige Bilder. Aber ganz sang- und klanglos soll der Abend nicht vergangen sein. Michael zeigte uns gekonnt, wie er Kreisel macht – und zwar erst normale, dann später auch zusammengesetzt aus mehreren Hölzern:

Das Publikum war zahlreich, und meist diszipliniert…

Natürlich gab es auch schöne mitgebrachte Dinge zu bestaunen:

Und am Ende wies eine Blume optimistisch auf den baldigen Frühling hin.

Dankeschön an den Vorführer, und natürlich an Ernst und Uli für die gewohnte Gastfreundschaft!
VLG,
Matthias

Allmechd Freunde
Heute erschien ein Artikel zu unseren Treffen in dem Forchhe imer-Lokalteil der Nordbayrischen Nachrichten.
Etzertlä semmer berühmd
Schönen Gruß
Ernst F.H.K

Tagsüber im Büro und abends an der Drehbank
Bei Ernst Kunstmann in Neusles treffen sich einmal im Monat fränkische Hobby-Drechsler zum Stammtisch
Tagsüber im Büro und abends an der Drehbank

Ein Stammtisch der besonderen Art trifft sich jeden ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr bei Ernst Kunzmann in Neusles. Hier wird nicht über die große und kleine Politik diskutiert oder der neueste Dorf-Tratsch ausgetauscht. Hier gibt es (fast) nur ein Thema: Drechseln.
GRÄFENBERG – Hobby-Werkler aus ganz Nordbayern und sogar von München reisen jeden Monat in den Gräfenberger Ortsteil, um zu speziellen Techniken Rat zu holen und knifflige Griffe gleich vor Ort auszuprobieren. Der harte Kern besteht aus etwa 25 Männern und zwei Frauen. Sie kommen aus den unterschiedlichsten Berufen, wobei Büro-Jobs überwiegen. »Tagsüber in den Computer und dann
abends jedes Mal in den Fernseher zu gucken, ist auf Dauer nicht jedermanns Sache. Handwerkliche Arbeiten sind ein prima Ausgleich, wenn man sich den ganzen Tag mit Word-Dokumenten und Excel- Tabellen herumschlägt. Vor allem schaffe ich mir so Erfolgserlebnisse, die ich in die Hand nehmen kann», erläutert Kunzmann. Als Schreiner eine Ausnahme Er selbst muss sich beruflich zwar auch mit Textverarbeitung und Kalkulationen beschäftigen, ist beim Stammtisch jedoch die Ausnahme: Schreiner – wie bereits sein Vater und sein Großvater. Das Drechseln ist freilich auch für ihn in erster Linie Hobby. Gelegentlich kann er es zur Verzierung eines Schrankes oder für die Rundungen eines Treppengeländers auch beim Schreinern nutzen. Wie alt das Drechseln ist, darüber wird unter Archäologen und Historikern kräftig gestritten. Am Anfang war das Feuer, das zumindest ist sicher. Schon unsere Vorfahren mit der fliehenden Stirn verwendeten nämlich einen runden Holzstab, um durch die Reibungshitze Reisig anzuzünden und sich ein knuspriges Mammut- Steak zu grillen. In der Hochkultur der Ägypter wurden Fiedelbohrer dann bereits zum Bearbeiten von Möbelstücken eingesetzt. Bereits ab 1500 v. Chr. kannten die Untertanen der Pharaonen Drechselbänke. Nürnberg war Hochburg Seine Blütezeit hatte das kunstvolle Handwerk im Mittelalter, wobei Nürnberg die Hochburg darstellte. In den 1960er Jahren brachte ein
Stoff das Drechseln jedoch an den Rand des Aussterbens: Plastik. Spritzgussformen erhöhten die Produktivität um ein Vielfaches und senkten die Kosten deutlich. Schon vorher hatte die industrielle Fertigung von Möbelstücken den Anteil individueller Maßanfertigungen kontinuierlich zurückgedrängt.
Durch die Biowelle ist laut Kunzmann das Interesse am Drechseln inzwischen wieder gestiegen: »Wenn sogar die eigenen Kunstwerke die Wohnung bereichern, bereitet einem das natürlich täglich Freude.»
Zu bereden gibt es bei den Treffen in der Neusleser Werkstatt genug: Wie lässt sich ein Kreisel herstellen? Was ist beim Beizen mit Farbe zu beachten? Wie drehe ich einen Hohlkörper aus? Die beiden wichtigsten Werkzeuge für den Drechsler sind Meisel und Röhre, mit der er unter anderem nach innen gewölbte Formen fertigen kann. An der Drehbank zeigt jeder, welche neuen Verfahren er entdeckt hat. Moderne Technik hilft: Die Führung der Hand wird über eine Kamera aufgezeichnet und per Beamer an die Leinwand geworfen: So kann jeder im Raum sofort verfolgen, wie der Dreh mit der Drehung genau funktioniert.
Über manche Kunsthandwerker staunt selbst Ernst Kunzmann, beispielsweise über einen österreichischen Fadendrechsler, der lange Ketten von Figuren fertigt, die nur durch hauchdünne Plättchen verbunden sind; oder über die Reifendreher aus Seiffen im Erzgebirge, die Tiere aus einem Holzring schneiden. Er selbst konzentriert sich überwiegend auf Schmuck und Obstschalen. »Holz ist ein Rohstoff, den man einfach lieben muss. Jeder Baum hat seine eigene Maserung und auch ein Astknoten kann einen ganz eigenwilligen Akzent setzen», gerät der 57-Jährige ins Schwärmen. Hervorgegangen ist der Neusleser Stammtisch vor einigen Jahren aus einer Community im Internet. Der moderne Hobby-Handwerker ist zwar längst auch ein versierter Blogger und Teilnehmer an Foren im weltweiten Netz, doch Kunstgriffe lassen sich immer noch am besten verstehen, wenn sie live vorgeführt werden. Also kamen die Franken unter den Drechslern auf die Idee, sich zu treffen.

Zu Besuch in der Werkstatt

Ab und zu kommt man auch in der Werkstatt eines der anderen Stammtisch-Mitglieder zusammen oder unternimmt einen gemeinsamen Ausflug wie zum Metalldrücker- und Drechslermuseum in Wendelstein. Etabliert hat sich inzwischen das Sommerfest im Kunzmannschen Garten. Aber wer glaubt, dass wenigstens bei Streuselkuchen und Apfelküchla über die große Politik oder den Abstiegskampf des 1. FC
Nürnberg diskutiert wird, irrt. Wesentlich faszinierender sind auch dann die folgenden Fragen: Wie gieße ich Holzoberflächen mit Zinn aus? Oder: Werter Stammtisch-Nachbar, wie hast du denn die Krone deiner Schachdame nur so filigran hingezwirbelt?

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